"Books are uniquely portable magic." (Bücher sind einzigartige tragbare Magie.)
~Stephen King~

Sonntag, 9. Oktober 2016

[Buchrezension] "Es" von Stephen King






- Heyne Verlag
- 1.534 Seiten
- Originaltitel: It
- übersetzt von Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber

Der erste Satz

"Der Schrecken, der weitere achtundzwanzig Jahre kein Ende nehmen sollte - wenn er überhaupt je ein Ende nahm -, begann, soviel ich weiß und sagen kann, mit einem Boot aus Zeitungspapier, das einen vom Regen überfluteten Rinnstein entlangtrieb."


Inhalt
Alle 28 Jahre wacht das Böse in Derry auf und muss fressen. Sieben Freunde werden im Erwachsenenalter erneut damit konfrontiert und wollen das Böse besiegen, nachdem sie ihm als Kinder bereits gegenübergestanden hatten...
Meinung
"Es" wurde mir von vielen King-Liebhabern empfohlen und ich hatte ein bisschen Angst, dass meine hohen Erwartungen nicht erfüllt werden könnten. Weit gefehlt! Diese Befürchtung war völlig unbegründet, denn mit "Es" von Stephen King habe ich ein neues Lieblingsbuch aller Zeiten. 

Stephen Kings Schreibstil ist einmalig. Er schreibt sehr ausschweifend, weshalb das Buch ein richtiger Wälzer mit über 1.500 Seiten ist. Bei "Es" ist es so, dass viele Zeitsprünge die Geschichte und die Handlung bestimmen. Die Kapitel enden manchmal mitten im Satz, um dann jenen Satz im nächsten Kapitel zu völlig anderer Zeit wieder aufzunehmen. Das sollte niemanden davon abzuschrecken, "Es" zu lesen, denn mich hat das überhaupt nicht gestört, ganz im Gegenteil. Ich fand mich zurecht und hatte keinerlei Probleme mit Zeit und Ort. Der Aufbau ist dadurch sehr besonders und ich mochte es gerne. Hier kommt auch zum Tragen, dass Stephen King viele Dinge, die bereits geschehen sind, später wieder aufnimmt, so dass ich tatsächlich fast nichts von den 1.500 Seiten an Handlung vergessen habe. Diese Wiederholungen sind so gut mit dem späteren Geschehen verknüpft, dass sie überhaupt nicht nerven oder dergleichen. Stattdessen erinnert sich der Leser immer wieder an den Anfang der Geschichte, was ich total super fand. Denn oft geht es mir bei Büchern so, dass ich mich am Ende gar nicht mehr an den Anfang erinnern kann und das war hier nicht der Fall. Hierbei haben mir auch die Details in jeder Szene geholfen, an die ich mich leicht erinnern konnte. 

Nicht nur der Schreibstil mit seinen Ausschweifungen ist typisch für King, hier sind auch die Charaktere wieder sehr genau dargestellt. Und ich liebe das! Auf den 1.500 Seiten habe ich die sieben Hauptcharaktere nicht nur genau kennen gelernt, sondern mit ihnen mitgefiebert, mit ihnen gelitten und vor allem hatte ich auf jeder Seite das Gefühl, dabei zu sein. Die Freundschaft zwischen den sieben Kindern entwickelt sich authentisch und ich habe mich über jede Situation gefreut, die sie zusammen meistern. Ferner habe ich es genossen, mit ihnen Zeit zu verbringen. So banal ihre Handlungen manchmal waren (z. B. einfachc nur zusammen sitzen und reden), habe ich alles begierig aufgesogen und es mir vorstellen können. 

Durch die Zeitsprünge springen wir oft innerhalb der Vergangenheit, aber auch von der Gegenwart in die Vergangenheit hin und her. Somit lernen wir nicht nur die Kinder genau kennen, sondern verfolgen auch ihren Weg bis ins Erwachsenenalter. Das fand ich total spannend, wobei mir die Szenen in der Kindheit noch besser gefallen haben. 

Jedes der Kinder hat bestimmte Merkmale (die z. T. im Erwachsenenalter noch vorhanden sind), an denen ich als Leser sie mit der Zeit ohne Probleme identifizieren konnte. Bill stottert beispielsweise, was mit Bindestrichen in den Worten verdeutlicht und bildhaft dargestellt wird.

Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen, beginnt das Buch grob gesagt in der Kindheit, dann springen wir in die Gegenwart und es kommt zu einem Zusammentreffen der Charaktere im Erwachsenenalter. In dieser Situation erinnern sich die Figuren an ihre Kindheit, was uns wieder zurück in die Vergangenheit springen lässt und dann in der Vergangenheit hin und her, bis wir uns wieder in der Gegenwart befinden. Hier gibt es dann auch wieder Zeitsprünge, die mir als Stilmittel sehr passend erschienen. Letztendlich gibt es dann einen Zeitpunkt, bei dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderfallen.
Das klingt jetzt viel komplizierter, als es mir beim Lesen vorkam. :D 

Diese Charakterdarstellung von Kindheit und Erwachsenenalter ließ mich als Leser die Figuren besser verstehen. Ich wusste, warum sie so geworden waren, wie sie nun sind und was alles dazu geführt hat. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander und haben bei mir dazu geführt, dass ich die Protagonisten sämtlichst in mein Herz geschlossen habe. 

Die Kindheit der Protagonisten spielt sich Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre ab und diese Zeit wird einem hier von King hier so gut vermittelt, dass ich nun das Gefühl habe, dass diese Zeit für mich greifbarer ist als vor Lesen des Buches.

Freundschaft ist ein häufiges Motiv in Büchern, hier aber meiner Meinung nach unübertroffen dargestellt. Neben den Beziehungen der Figuren untereinander darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass es ein Buch ist, das eindeutig ins Genre Horror gehört. Die Horrorszenen fand ich auch tatsächlich gruselig, eklig und spannend. Das Böse erscheint in diversen Formen und ich finde es klasse, dass King es schafft, mir damit eine Gänsehaut zu bescheren, denn immerhin stammt das Buch aus dem Jahre 1986 und inzwischen sind wir durch TV etc. ziemlich abgestumpft, was Horrorszenarien angeht, so dass mich nichts so leicht aus der Bahn werfen kann. Doch King hat es geschafft ;)

Vielen ging es nach dem Lesen so, dass sie Angst vor Clowns bekamen. Bei mir ist das nicht so. Allerdings habe ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich Luftballons sehe... ;)

Insgesamt ist "Es" für mich das beste Buch, das ich von King und überhaupt je gelesen habe. Die Geschichte rund um Beverly, Eddy, Bill, Ben, Mike, Richie und Stanley hat mich dermaßen umgehauen, dass ich diesem Buch gerne noch mehr als fünf Herzen vergeben würde. Für mich ist es die beste Geschichte rund um Freundschaft und Horror, die mir bisher untergekommen ist.

Bewertung
♥♥♥♥♥

Kommentare:

  1. Hallo Melli,

    was? Du hast jetzt gar keine Angst vor Clowns! XD Unglaublich, aber Angst vor Luftballons finde ich sogar schlimmer.

    Übrigens, wenn ich mir das Bild mit dem Stoffclown so anschaue, zieht es bei mir ungut in der Magengegend.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hey Nicole,
      keine Sorge, Clownie ist völlig harmlos - glaube ich zumindest... xD
      Liebe Grüße Melli

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