Hey Ihr Lieben,
es gibt verschiedene Tipps, um Leseflauten zu bekämpfen. Vielleicht hilft es auch, dagegen anzuschreiben. Denn ich möchte sie in die Knie zwingen.
Angefangen hat es wohl schon vor vielen Monaten. Ich habe weniger gelesen (was okay ist), obwohl sich meine Lebensumstände nicht verändert haben. Andere Hobbys kamen dazwischen. Früher habe ich richtig gerne an Lesechallenges teilgenommen. Aber immer mehr habe ich gemerkt, dass mich das doch auch stresst. Deshalb hatte ich beschlossen, in diesem Jahr keine durchzuführen. Tja, was soll ich sagen?
Lesemarathon als Stressfaktor
Als ich im Dezember 2023 von der Bookemon Challenge erfuhrt, musste ich natürlich doch mitmachen. Sie ist inspiriert von Pokémon und das habe ich früher sehr gerne am Game Boy gespielt. Ich wollte es ruhig angehen lassen. Haha.
Ich möchte kurz umreißen, worin die Challenge besteht. Es gibt Leseaufgaben (Lies ein Buch, das ...) sowie Aktionsaufgaben (lies ein Buch am Gewässer, poste xy auf Social Media) und wenn man diese erledigt hat, erhält man Items. Mit diesen Items bekommt man dann bestimmte Bookemon (die man vorher noch nicht kennt). Ziel ist es also, so viele wie möglich zu erhalten, also möglichst viele Bücher zu lesen. Soweit so gut. Allerdings gibt es nicht nur eine Aufgabe pro Monat (=12), sondern auch sechs weitere für je vier Monate (=18). Nicht zu vergessen die Basisaufgaben für das ganze Jahr (=86, weil für manche Aufgaben mehr zu tun ist).
Und dann gibt es immer wieder (fast jeden Monat!) Aktionen wie Lesemarathons etc., deren Teilnahme weitere Bookemon freischaltet.
Deshalb habe ich beschlossen, den gesamten Juni an einem solchen Lesemarathon teilzunehmen. Das Ganze findet in den USA viel größer statt als mir bewusst war. Es nehmen ca. 1.600 Menschen weltweit (!) teil. Im Vordergrund steht der Spaß. Aber der ist mir inzwischen leider abhanden gekommen. Denn es geht weniger um die Anzahl von gelesenen Seiten, sondern eher um beendete Bücher. Ferner geht es um eine Art Reise von Stadt zu Stadt (die man vorher nicht kennt) und alle drei Tage wird eine neue Aufgabe freigeschaltet. Der Sinn ist es, die Reiseroute in vorgegebener Reihenfolge zu erlesen. Das bremst mich leider aus. Hinzu kommt, dass es eine Art Rennen ist, denn fünf Teams lesen gegeneinander und bekommen Punkte. Wenn man als erstes Team ankommt, erhält man eine Belohnung, das letzte Team erhält eine Strafe.
Ich lag recht schnell zurück und habe dann den Fehler begangen, mich selbst unter Druck zu setzen. So las ich an einem Sonntag so viel wie möglich (= ca. 300 Seiten), obwohl mein aktuelles Buch mehr Zeit gebraucht hätte.
Das hat mich wieder so richtig schön in die Leseflaute katapultiert. Denn in der Woche darauf habe ich fast gar nichts gelesen.
Andere Lesende waren dagegen so beflügelt, dass sie binnen neun Tagen ca. 50 (!) kurze Hörbücher gehört haben. Das war mir dann doch alles viel zu krass und hat mich noch mehr gestresst.
Mein Ziel bei diesem Lesemarathon war es, drei Bücher zu erlesen, denn dafür bekomme ich in der anderen Challenge ein Bookemon. Inzwischen habe ich das erreicht und bin damit zufrieden. Das mag meinem Team nicht helfen im Lesemarathon, aber ich will mich nicht noch mehr stressen.
Was ich von dem Lesemarathon gelernt habe
Ich habe bei diesem Lesemarathon auch viel gelernt und sehe es als wichtige Erfahrung. So wird er aus den USA gehostet und spielt in der entsprechenden Zeitzone. Ich habe mich dadurch diesen Monat vermehrt mit Zeitzonen und dem Rhythmus unserer Welt beschäftigt. Denn die Bookemon Challenge wiederum stammt aus Australien, wo wiederum eine andere Zeitzone herrscht. Ich liege so ungefähr in der Mitte :D
Reading Sprints sind im englischsprachigen Raum eine große Sache. Da kommt man via Zoom mit Zuschauenden zusammen, es wird sich in den Kommentaren ausgetauscht und mit Timer gelesen. Das fand ich total interessant, hat mich aber zum Lesen leider nicht motiviert.
Apropos Englisch: Der Lesemarathon findet komplett in dieser Sprache statt. Das hat mir geholfen, mein Englisch anzuwenden und das möchte ich gerne beibehalten - also vielleicht an kleineren Lesemarathons teilnehmen und die Sprache nutzen.
Warum Social Media Gift für mein Leseverhalten ist
Es gibt aber noch einen weiteren Grund für meine Leseflaute: Social Media. In meinem Fall Instagram (Reels) und YouTube (Shorts). Bei vielen anderen Leuten gehört auch TikTok in diese Liste. Das hatte ich zum Glück nie.
Denn diese kurzen Videos sorgen dafür, dass mein Gehirn immer mehr so kurze Dopamin-Impulse haben möchte. Früher konnte ich stundenlang ein gutes Buch lesen. Durch die kurzen Videos auf Social Media ist das nicht mehr möglich. Meine Konzentrations- bzw. Aufmerksamkeitsspanne hat sich extrem verkürzt. Im Büro hat es tatsächlich keine Auswirkungen, da bin ich produktiv und kann mich gut konzentrieren. Aber sobald ich in der Umgebung meines Zuhauses bin, kann ich mich kaum konzentrieren.
Social Media Detox
Deshalb habe ich beschlossen, einen Social Media Detox durchzuführen. Auf YouTube bin ich noch unterwegs, versuche aber, die kurzen Videos zu vermeiden. Instagram habe ich deinstalliert (dabei bleibt der Account erhalten).
Ich muss sagen, dass ich es nicht vermisse. Langeweile auch mal auszuhalten, fällt mir je nach Situation mal mehr und mal weniger leicht. Wenn ich mit Bus und Bahn unterwegs bin, kann ich gut aus dem Fenster gucken und brauche kein Handy in der Hand (dann doch eher ein Buch). Wenn ich aber zu Hause bin, langweile ich mich auch mal und hänge dann am Handy (YouTube). Da gucke ich aber bewusst verschiedene Inhalte und mag Lesevlogs von anderen ganz gerne. :-)
Und nun?
Ich möchte mir gerne wieder bewusst Zeit zum Lesen nehmen. Mein Handy darf zu Hause in einem anderen Raum liegen, damit ich es nicht ständig unbewusst in die Hand nehme (ein furchtbarer Reflex!!).
Aktuell läuft die Fußball-EM und ich gucke sehr gerne die Spiele. Vielleicht schaue ich auch mal wieder einen Film.
Heute möchte ich noch in die Bibliothek gehen. Es ist regnerisch und da ist so ein Besuch im Bücherparadies eine gute Idee. :D
Ansonsten stresse ich mich auf jeden Fall nicht mit dem Lesen. Im nächsten Jahr möchte ich nun wirklich auf eine große Jahreschallenge verzichten und dafür im Lesegarten wieder an einzelnen Monatschallenges teilnehmen. Denn kurze Zeitspannen tun mir gut bei solchen Aktionen.
Nun hoffe ich, die Leseflaute schnell zu besiegen.
Übrigens: Mit meinen letzten Lesemonaten war ich sehr zufrieden und sie spiegeln auch nicht wirklich Leseflauten wider. Aber trotzdem fühlt sich das Lesen für mich nicht immer gut an und das macht dann doch den Unterschied zu "ich habe nur ein Buch gelesen". Alle lesen bitte in ihrem Tempo und jede Seite ist ein Erfolg!
Eure Melli ♥