"Books are uniquely portable magic." (Bücher sind einzigartige tragbare Magie.)
~Stephen King~

Sonntag, 30. September 2018

[Buchrezension] "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" von Christiane F.




- Heyne Verlag
- 1978 erschienen/Neuauflage 1999
- 366 Seiten

Inhalt
Christiane ist zwölf Jahre alt, als sie das erste Mal mit Drogen in Berührung kommt. Sie gerät immer tiefer in die Sucht und schafft nach der Schule an, um die Drogen finanzieren zu können. Fast zwei Jahre lang führt sie ein Doppelleben, von dem ihre Mutter nichts ahnt...



Meinung
Man nehme ein Mädchen, das ihre erschütternde Geschichte zu erzählen hat und zwei Journalisten, die das Ganze als Biographie/Erfahrungsbericht herausbringen. So entstand dieses Buch, das seit den 1970er Jahren existiert und das ich nun auch endlich gelesen habe.

Für mich ist es ein erschütternder Erfahrungsbericht, den ich regelrecht verschlungen habe und der mich nicht so schnell wieder loslassen wird. Bevor ich das Buch gelesen habe, dachte ich (warum auch immer), dass Christiane F. auf der Straße gelebt hat. Aber das stimmt so gar nicht. Stattdessen ging sie zur Schule und am Nachmittag anschaffen, um sich die Drogen zu finanzieren. Dieses Doppelleben hat mich schockiert, weil ihre Familie davon zunächst zwei Jahre lang nichts mitbekommt. Die Familiensituation war nicht so einfach für Christiane und als sie dann an die falschen Freunde gerät, nimmt das Schickal quasi seinen Lauf. 

Die Mutter kommt durch Einschübe der Autoren immer wieder zu Wort, was ich interessant fand. Dadurch konnte ich ihren Standpunkt und ihre Hilflosigkeit viel besser nachvollziehen und verstehen. Sie ist genauso überfordert mit der Situation wie ihre Tochter, als sie herausfindet, dass sie Drogen nimmt und später auch dafür anschafft. Es kommen auch noch weitere Personen zu Wort, die zum Beispiel im Drogendezernat gearbeitet haben. Das bringt Zahlen und Fakten zur Thematik ein.

Durch seine hohe Authentizität zeigt das Buch auf, dass es sozusagen jeden treffen kann, wenn falscher Umgang und Umgebung sowie gefährliche Neugier aufeinandertreffen. Für mich war es das erste Buch, das so nah am Geschehen dran ist wie kein zweites. Der Schreibstil ist ein ganz besonderer, weil das Buch aufgrund von Tonbandkassetten entstand. 

Christianes Freunde sind auch drogenabhängig und gehen ebenso wie sie auf den Strich. Christiane versucht mehr als einmal, von den Drogen wegzukommen, was sich sehr schwierig gestaltet. Trotz ihrer Sucht lernte ich Christiane durch das Buch als starke Frau kennen. Sie lässt sich nicht alles gefallen und zieht auch klare Grenzen - so es die Drogen denn zulassen.

Der Erfahrungsbericht rüttelt auf und hat mich zum Nachdenken angeregt. Das Thema ist aktuell wie nie, es gibt inzwischen neuartige Drogen und überall gibt es Drogenszenen, wird Geld erbettelt oder gar angeschafft für Drogen. Das Buch gibt tiefe Einblicke in ebendiese Szene. Dabei ist es authentisch, real und schonungslos.

Im Innenteil meiner Ausgabe gibt es Schwarzweißfotos von Christianes Freunden, die zum größten Teil an den Drogen gestorben sind. Das hat es für mich noch trauriger gemacht, weil es eben wirklich passiert ist und nicht erfunden wurde. Solche Fotos führen mir das dann immer noch mal so richtig vor Augen.

Es gibt noch eine weitere Biographie von Christiane F., die ich im Anschluss hieran gelesen habe. Meine Rezension dazu folgt.

Wie immer bei Biographien und Erfahrungsberichten weise ich darauf hin, dass ich nicht das Leben einer Person bewerten kann und möchte, sondern nur den Schreibstil etc.

Mich lässt dieser Erfahrungsbericht innerlich aufgewühlt zurück, weil ich das Gelesene erst einmal verarbeiten muss und es mich noch eine ganze Weile beschäftigen wird.

Bewertung
♥♥♥♥♥

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